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Junge Ems-Dollart Philharmonie überzeugte - Lingener Tagespost, 05.08.2010 - Raphael Bonitz
Lingen. Das war ein erstaunliches Konzertereignis. Die Junge Ems-Dollart Philharmonie präsentierte sich als Klangkörper junger Talente unserer emsländisch-niederländischen Region, der den Vergleich mit professionellen Orchestern nicht zu scheuen braucht.
Camille Saint-Saens "Danse macabre" ist Programmmusik reinsten Wassers. Eingeleitet durch die Mitternachtsschläge der Harfe, erklingt ein makaber-ironischer Tanz von Gevatters Tod, dessen Knochen man beim Klang des Xylofons klappern zu hören meint. Schon hier: blitzsauberes und aufmerksames Zusammenspiel, und dies keineswegs technisch steril, sondern lebendig pulsierend, voller Spielfreude. Großartig die Konzertmeisterin Floor Le Coultre, welche den durchgängigen Soloviolinpart mit tollem Ton und einfühlsamen Temperament zelebrierte. Leertouwer ist die richtige Wahl als Orchesterleiter. Er hat den Draht zu den jungen Leuten, weiß Leistung und Können abzurufen, für die Musiker behutsam die Grenzen auszuloten. Im Solowerk des Abends, Max Bruchs Violinkonzert g-Moll, wird zudem noch etwas deutlich: seine Blickkommunikation mit dem jungen Solisten Gerard Spronk, durch die er zum Vermittler zwischen ihm und dem Orchester wird. Für einen 19-Jährigen spielt Spronk mit erstaunlicher Reife. Vor allem der langsame Satz war mehr als überzeugend, ohne kitschige Allüren, klar dem Notentext dienend, diesen ausdeutend. Da ist es zu verschmerzen, dass das Orchester stellenweise etwas zu laut den Solisten zuzudecken drohte. Zum Schluss ließ Leertouwer seine Leute noch einmal groß auflaufen: Dvoráks "Symphonie aus der neuen Welt" ist ein absoluter Orchesterhit der Romantik, jeder Satz für sich alleine genommen schon ein Evegreen-Highlight. Leertouwer lässt sich gottlob nicht dazu hinreißen, dieses Werk mit schmalzigem Pathos zu interpretieren. Vielmehr entlockt er diesem und den jungen Künstlern die notwendige Emotionalität, welche diese Symphonie zu einer der schönsten der Literatur macht. Das Orchester dankte es mit Hingabe und musikalischer Leidenschaft. Ganz, ganz großartige junge Menschen mit einer großen Leistung.
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